Pöllwitz Reuß jüngere Linie, auch Neupöllwitz genannt

Ein Beitrag zur Ortsgeschichte
von Günther Schmutzler

aus "Jahrbuch des Museums Reichenfels-Hohenleuben Nr. 45, 1. Auflage 2000"


Inhalt



Einleitung

Pöllwitz (Reuß) mit Ortsansicht von Südosten und Kirche sowie Forsthaus und Gasthaus 'Reußischer Hof' (die alte Försterei) (Postkarte: Sammlung Schmutzler) Was wissen wir über den sich erst allmählich entwickelnden Flecken am Rande des Pöllwitzer Waldes in unmittelbarer Nachbarschaft zum seit alters bestehenden Bauerndorf Pöllwitz in der Herrschaft Greiz? (Erste urkundliche Erwähnung im Ablaßbrief vom 21. November 1340).

Die Ansiedlung und Gründung des Ortes diente ausschließlich der Beaufsichtigung und Bewirtschaftung des anliegenden herrschaftlichen Pöllwitzer Waldes. In welchem Jahr das geschah, ist nicht genau überliefert. Es ist auch nicht bekannt, wann das erste Haus gebaut wurde. In den noch zugänglichen Quellen über Pöllwitz ist lediglich der Satz fortgeschrieben: "Nachdem 1564 der Wald an die jüngere Linie fiel und das Forsthaus von Naitschau nach Pöllwitz verlegt wurde..."[1]

Albert Schiffner berichtet 1840[2]: "An dem sehr ausgebreiteten, mit Köstritz combinierten Pöllwitzer Walde in der Reichenfelser Pflege, umfangen vom Greitzischen, liegen die neugebauten Örtchen Neuärgerniß mit Gut und Forsthaus an der Greiz-Schleizer-Straße, und Neupöllwitz mit Domäne, großem Teich, Forsthaus und Kalkofen[3] 4 Meilen südlich von Gera, ¾ Meilen von Zeulenroda, an der Triebes." Und unter den Besitzungen der jüngeren Linie (Seite 788) führt er an: "...der große, vom Greitzischen fast umschlossene Pöllwitzer Wald, der ursprünglich nach Reichenfeld gehört..."

Forstwarthaus am Wald (Foto: Schmutzler) Was bisher über die neue Pöllwitzer Ansiedlung aus Veröffentlichungen bekannt wurde, hat uns G. Brückner übermittelt. Er schreibt 1870 in seiner Volks- und Landeskunde des Fürstentums Reuß jüngere Linie[4]: "Pöllwitz Reuß j.L. - auch Neupöllwitz genannt - ist ein kleiner, einzeiliger Ort im Pöllwitzer Walde, an einem sehr ansehnlichen Waldteiche und am Collisbächlein, das in die Triebes mündet, dicht an der Ostseite des Greizer Pfarrdorfes Pöllwitz Reuß ä.L. (Altpöllwitz); siehe auch Anmerkung[5]. Das Flurgebiet - ursprünglich nur Waldgeräumde - umfaßt 1647 88 2/3, jetzt (1867) 99 ½ Morgen, meist von mittlerer Ergiebigkeit, den Morgen zu 5 Thaler Pacht. Das Hauptflurstück ist die Collis. Unfern vom Orte liegen als Waldbuckel der Lerchenberg, Ochsenberg und Vogelherd. Der Ort hat eine Forstei mit einem Forstgute, was aus einem Forsthaus, einem Forstwarthaus[6] und dem Gemeindehaus besteht, sowie 16 Privathäuser mit 12 Scheunen. Von den Häusern sind 12 zwei- und 7 einstöckig, 4 mit Schiefer, 7 mit Ziegeln, 7 mit Schindeln und 1 gemischt gedeckt.

Der große Teich (der Forstteich) (Foto: Schmutzler) Neben dem herrschaftlichen Forstgute gibt es hier keine Bauerngüter und keine Bauern, sondern nur 15 Häusler und als Privatbesitz nur 3 ledige Grundstücke. An Vieh: 1 Pferd, 30 Stück Rindvieh, 12 Schweine und 8 Ziegen. Der Haupterwerb ist Handwerk, namentlich Weberei und Tagelohn. 12 Familien betreiben nebenbei etwas Feldbau[7], 18 Gewerbe und Handwerk, darunter 9 Weber, 3 Strumpfwirker, 2 Zimmerleute, 1 Fleischer, 1 Krämer, 1 Maurer, 1 Schmied und 1 Schuhmacher, die für den Ort und für Zeulenroda und Greiz arbeiten.

Im Orte ist ein Privathaus und eine Schneidemühle. Unter den Häuslern bauen 2 ihr Jahresbrod. An Almoser 1 Person. In 33 Familien leben 137 Seelen. Von den 137 Einwohnern sind 4 Dienstboten und 4 Lehrlinge. Unter 14 Jahren sind 21 männliche und 28 weibliche und über 14 Jahre 45 männliche und 43 weibliche Personen.

Die Gemeinde hat weder Vermögen noch Schulden und nur eine Jahresausgabe von 15 Thalern. Ihrer Pflege gehört eine Dorfstraße und ein Communikationsweg. Sie hat Anteil an der Feuerspritze in Altpöllwitz. Neupöllwitz und Altpöllwitz sind in Kirchen- und Schulsachen seit alter Zeit eine Gemeinde. Neupöllwitz schickt 15 Kinder zur Schule. Die Lehn- und Gerichtsverhältnisse waren früher wie in Neuärgernis."
[8]

Der Pöllwitzer Wald unter den verschiedenen Herrschaften

"Die Wirtschaftsgeschichte des ganzen Mittelalters ist zum überwiegenden Teil die Geschichte des Waldes" (Karl Lamprecht).

Vorbemerkung

Ausgangspunkt für unsere Betrachtung ist das 12. Jahrhundert, als das Greizer Gebiet von den Vögten von Weida[9] und deren Gefolgsleuten siedlungsmäßig erschlossen wurde. Das gesamte Land östlich der Saale galt ursprünglich als Königsland. Im 12. Und 13. Jahrhundert hatte der König noch seine Hand auf dem Waldbesitz, bis allmählich Ende des 13. Jahrhunderts die Rechte daran an die Territorialherren übergingen. Das "officium foresti" (officium = das Amt, foresti = Forst) im Reichswald konnte aber nur der König zu erblichem Lehn vergeben. "Durch umfassende Siedlungstätigkeit hat sich insbesondere Heinrich II. von Weida große Verdienste erworben und damit die Grundlagen seiner Territorialmacht wesentlich ausgeweitet. Er hat es verstanden, sich das Bodenregal (das Verfügungsrecht über ungenutzten Boden und die Hoheitsrechte in den königlichen Wäldern auszuüben) zu sichern. Eng mit diesem Recht verbunden war die Forsthoheit, die die Weidaer Vögte ohne Zweifel über die damals reich bewaldeten Landstriche längs der Elster wahrnahmen und aus der sie das Recht ableiteten, die Rodungstätigkeit durchzuführen."[10] Anhand der Forsturkunden wird das Bemühen der Vögte von Weida, Gera und Plauen um den Landesausbau deutlich. Für dieses Geschlecht gilt in besonderem Maße der Grundsatz: "Herrschaft durch Kolonisation - der Kolonisation folgt die Herrschaft!"

Die Herrschaft Greiz ist urkundlich 1209 im Besitz der Weidaer nachweisbar[11]. Gleichzeitig wird voon einem Waldanteil bei Greiz gesprochen (pars nemoris prope Grouz; gemeint ist der nördliche Teil des Gommlaer Waldes). Im Jahre 1259 verkauft Vogt Heinrich III. von Gera mit Einwilligung seines Bruders Vogt Heinrich von Plauen diesen Wald ("den ich im Gebiet von Greiz gehabt habe, und andere Gehölze, die in dem Tal, das Saxa genannt wird, liegen") an das Hauskloster Kronschwitz[12]. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Erwähnung der venatio, der Jagdgerechtigkeit. Sie wird nämlich vom Verkauf des Waldes ausdrücklich ausgeschlossen (excepta venacione). "Das Jagdrecht taucht in den mittelalterlichen Urkunden selten auf", stellt Helga Jacob fest. "Daß sich der Vogt dieses Recht in der Urkunde ausdrücklich sicherte, erhöht ihre Bedeutung noch mehr."

Die Nachkommen Heinrichs des Reichen haben sich dann bald weiter, insbesondere nach Süden hin, ausgebreitet, wo es galt, eine Brücke zwischen den älteren vogteilichen Besitzungen der Familie und dem Regnitzland zu schlagen. Nach J. Richter, besaß Vogt Heinrich II. von Plauen 1244 neben dem Fischereirecht in der Elster auch das Holzschlagerecht in den ihm gehörenden Wäldern im Gau Dobna und verfügte über ein bei Röttis gelegenes Waldstück mit allem Nutzen daraus. So sind die Vögte mit Rodungen und weiterem Landesausbau vom Pleißenland aus bis zur Eger vorgedrungen und auch hier nach und nach zu einer landesherrlichen Stellung gekommen.

Die Zuordnung der Waldteile

Einen Überblick über die Zuordnung der Waldanteile an die einzelnen Herrschaften gibt A. Pasold in "Geschichte der reußischen Landesteilungen von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Einführung der Primogenitur im Jahre 1690", Neustadt an der Orla, 1934.

1306 wird die Herrschaft Plauen geteilt, dabei entstanden eine ältere, die spätere burggräfliche Linie, und eine jüngere Linie, die sich Reuß von Plauen nannte und ihren Sitz auf die Greizer Burg verlegte (nur auf diese Linie trifft der Familienname Reuß zu: J. Richter). Nach dieser Teilung regierte in Greiz Heinrich II. Reuß von Plauen. Ihm und seinen Geschlechtsvertretern wurden am 24. Juni 1329 vom Kaiser Ludwig IV. alle Lehen, Rechte und Regalien (Goldene Bulle) ... auch die der Jagd und Fischerei ... bestätigt[13].

Im Aussöhnungs- und Erteilungsvertrag zwischen den Söhnen Heinrichs II. vom 12. Juni 1359 wird zum ersten Mal der herrschaftliche Wald bei Pöllwitz schriftlich überliefert, u.a. heißt es dort: "Zum ersten sollen dem älteren Reußen (Heinrich III.) zu seinem Teil zufallen und verbleiben: Burg- bzw. Herrschaftssitz und Stadt Greiz mit den dazugehörigen Orten und Liegenschaften, die Gefolgsleute von Treuen und Dölau sowie der das Gehörne genannte Wald (Pöllwitzer Wald), andere zu Greiz gehörige Wälder soll man gleich in 3 Teile teilen, wobei ein Teil dem älteren Reußen zu Greiz verbleiben soll, während die anderen zwei Teile den zwei jüngeren Reußen (Heinrich IV. und Heinrich V.) zufallen sollen"[14].

Der Name "daz Gehürne" hat sich zum Teil erhalten. Ein Teil des Waldes in der Nähe von Neuärgerniß heißt heute noch "Gehörne". Wahrscheinlich hat sich die Bezeichnung "Pöllwitzer Wald" erst eingebürgert, nachdem er 1564 an die jüngere Linie Reuß fiel und das Forsthaus nach Pöllwitz verlegt wurde. Allerdings wurden zunächst nur die bei diesem Ort gelegenen Teile so bezeichnet, denn bei der Beschreibung der Herrschaft Gera im Jahre 1647 heißt es: "Der Pöllwitzer Wald wird zur Hälfte der Pöllwitzer Wald und zur anderen Hälfte das Gehirn genannt". Später wurde die erstere Bezeichnung allgemein und das Gehörn auf einen Revierteil beschränkt (Forstabteilung 37 "das östliche Gehörn" und Abteilung 38 "das westliche Gehörn"; vergleiche dazu Meßtischblatt Triebes).

Nach der Niederlage der Protestanten im Schmalkaldischen Krieg (1546/47) verfielen Heinrich der Ältere Reuß und seine Brüder der Reichsacht und verloren Greiz. Nach vielen Fürsprachen erhielten sie im Jahre 1562 das Greizer Gebiet zurück, ergänzt durch ihr Erbteil an der im Jahre 1550 ausgestorbenen Linie Gera. Um einen Überblick über die Inventaria zu erhalten, sollte ein Anschlag angefertigt werden, damit alles in gerechter Weise verteilt werden könnte. So sollte beispielsweise das waldarme Gera durch Wälder aus dem Greizer Gebiet entschädigt werden. Jeder Herr wählte einen Berater. Diese sollten für die bevorstehende Teilung die Untertanen befragen und sich weiteren Rat einholen. Am Dienstag, dem 11.August 1562 ordnete man in Greiz eine Zusammenkunft an, bei der man sich wegen der Teilung genau bereden wollte (vgl. Pasold, S. 22). In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Befragung etlicher alter Männer aus Zeulenroda[15] zur Feststellung, wie seit alters die Grenze der Reichenfelser Pflege verlaufen ist, insonderheit, welche Dörfer um Zeulenroda in alten Zeiten zu ihr gehört haben.

Im Jahre 1564 schließlich erfolgte die Teilung der Gebiete des Hesamthauses der Reußen in
  • Reuß ältere Linie (Untergreiz)
  • Reuß mittlere Linie (Obergreiz mit Zeulenroda) und
  • Reuß jüngere Linie (Gera)
zwischen den Brüdern Heinrich dem Älteren, Heinrich dem Mittleren und Heinrich dem Jüngeren aus dem Hause Reuß-Greiz[16].

Bei dieser Teilung ist der Pöllwitzer Wald an die jüngere Linie Gera gefallen. Im Steuerregister des Jahres 1566 wird beispielsweise unter Pöllwitz Reuß ä.L. beim Bauerngutbesitzer Nicol Taßler - der auch Förster ist - der Besitz von 24 aßo für Nicol Irmler "uff eine Wiese in der Herrschaft Gera gelegen" ausgewiesen[17]. Das heißt, für den Steuereinnehmer und auch im Bewußtsein der Einwohner von Pöllwitz gab es bereits neben der Herrschaft Greiz auch die neue Herrschaft Gera. Demzufolge mußte der Wald Gera bereits zugeordnet gewesen sein. Die Verhandlungen über die Landesteilung zogen sich aber über einen sehr langen Zeitraum hin. Unter anderem wurde am 20. Dezember 1565 in Pönigk verhandelt, bekanntgeworden als Vertrag von Pönigk[18]. Ein weiteres Mal wurde am 1. Oktober 1597 in Schleiz - Schleizer Vertrag - über unerledigte Punkte beraten. Diesmal einigte man sich, indem Gera "nunmehr diesen Wald samt der Brethmühle in Grund und Boden, samt allen Gerichten Nutzen und Gerechtigkeiten erblich und eigentümlich behalten" will. Erst mit diesem Vertrag von 1597 ist Gera in den unbestrittenen Besitz des Waldes gekommen. Reuß Greiz beanspruchte die Jagdnutzung und noch einige belanglose Rechte, u.a. daß die Einwohner der anliegenden Obergreizer Ortschaften das Moos- und Streuscharren ausüben dürfen[19].

Gera wollte aus dem Pöllwitzer Wald vor allem einen wirtschaftlichen Nutzen ziehen. Mit der Obergreizer Herrschaft wurde deshalb wiederholt verhandelt wegen der Erlaubnis, einen Floßgraben durch ihr Gebiet anlegen zu dürfen, was schließlich in gegenseitigem Einvernehmen auch erfolgte. Zwischen 1631 und 1826 wurden immense Holzmengen auf Triebes und Leuba geflößt.

Die Verwaltungsorganisation des Pöllwitzer Waldes

Für die Beaufsichtigung und Bewirtschaftung des zum Kammervermögen bzw. Fideikommiß- und Familiengut Reuß jüngere Linie gehörenden umfangreichen Waldgebietes um Pöllwitz war als unterste Forstbehörde die Forstei Pöllwitz errichtet worden. Sie unterstand bis 1854 der Forstdirektion Gera, bis 1874 der Forstdirektion Schleiz und danach der Inspektion Forsten in Schleiz. Ab 1862 führte die Forstei Pöllwitz die Bezeichnung Fürstliche Forstverwaltung Pöllwitz[20]. Am 1. Oktober 1900 wurde ihr das Forstrevier Neuärgerniß unterstellt, für das seit 1734 eine Forstei (vorher Sitz in Niederböhmersdorf) und ab 1859 eine Forstrevierverwaltung bestanden hatte.

Bei der Vermögensauseinandersetzung 1919 ging das Forstrevier Pöllwitz an den Volksstaat Reuß über. Das Forstrevier umfaßte außer zwei kleinen Stücken bei Triebes und Göttendorf in der Hauptsache vier größere Forste, den Pöllwitzer und den Niederböhmersdorfer Wald sowie die untere und obere Haardt. Aus der Forstrevierverwaltung Pöllwitz entstand 1921 das Thüringische Forstamt Pöllwitz; seit 1924 unterstand es dem Thüringischen Finanzministerium und wurde durch die Forstabteilung Altenburg beaufsichtigt[21]. Durch die Thüringische Forstordnung von 1930 erhielt das Forstamt Pöllwitz außerdem die Aufsicht über die Waldungen in den Gemeindebezirken übertragen. Bei der Neuordnung der Forstbehörden in Thüringen 1946 wurde dem Forstamt Pöllwitz der bisher zum Forstamt Greiz gehörende Revierbezirk Weckersdorf angegliedert. Für dieses Forstrevier war 1810 eine Forstei Weckersdorf eingerichtet worden. Sie führte seit Anfang der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung Forstrevierverwaltung, seit 1920 Revierförsterei Weckersdorf; von Ende 1922 bis 1946 war sie dem Thüringischen Forstamt Greiz unterstellt. Seit 1949 ist das Forstamt Pöllwitz eine Oberförsterei des Kreisforstamtes (seit 1953 des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes) Gera mit dem Sitz in Weida[22]. Von Anfang der sechziger Jahre bis 1990 wurden Teile des Pöllwitzer Waldes von der Nationalen Volksarmee militärisch genutzt; während dieser Zeit - Sperrgebiet und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich - unterstand er der Armeeforstverwaltung. Nach der politischen Wende erfolgte die Verwaltung des Pöllwitzer Waldes von der Treuhand und vom Bundesforstamt "Holzland".

Zur Ortsentwicklung von Pöllwitz Reuß jüngere Linie

Bisher ist wenig bekannt über die erste Ansiedlung. Ursache dafür wird wohl unter anderem auch sein, daß eine Reihe von Archivunterlagen der Herrschaft Gera-Schleiz im Zweiten Weltkrieg bei der Zerstörung des Schlosses in Schleiz durch amerikanische Bombenflugzeuge am 8. April 1945 unwiederbringlich verloren gegangen sind; sicher trifft das auch für die Akten über Pöllwitz Reuß j.L. zu. So bleibt tatsächlich vorerst nur die von R. Hänsel überlieferte Nachricht: "Nachdem 1564 der Wald an die jüngere Linie Reuß fiel und das Forsthaus von Naitschau nach Pöllwitz verlegt wurde ..."

Als erstes wird sicherlich die Stationierung eines Waldläufers/Waldwärters notwendig geworden sein, um die damals noch übliche Holzentnahme aus dem Wald in Grenzen zu halten. Eine professionelle Verwaltung, Beaufsichtigung und Bewirtschaftung der ausgedehnten Waldungen um Pöllwitz[23] war aber nur möglich durch die Anwesenheit des Forstpersonals vor Ort. Einen Überblick über die Größe des Waldgebietes vermittelt das nachfolgende Grenzvermessungsregister über die Vermessung des Pöllwitzer Waldes und des Neuärgernisser Reviers im Jahre 1810 durch den Forstmeister H.C. Moser aus Bayreuth.

In der Tabelle werden die Flächenveränderungen gegenüber dem Jahre 1647 dargestellt:

Forstreviere
Vermessung 1647
Vermessung 1810

Acker
Rute
Acker
Rute
Pöllwitzer Wald
5742
5
4456 5/8
19
Niederbömersdorfer Wald
1692
21
1310 2/8
11
die untere Haardt
65
90
79
11
die obere Haardt
115
95
117 5/8
18
die Heyde
332
41
276
7
Quelle: Thür. Staatsarchiv Greiz, Landesdirektion Ebersdorf Nr. 860

Hinzu kam noch, daß Heinrich Posthumus 1595 die Regierungsgeschäfte in Gera übernommen hatte, den Ausbau der Landesherrschaft und die Neuordnung der Verwaltung betrieb.

Ab 1578 werden in den Kirchenrechnungen von Zeulenroda Kosten für Waldzins und Holzanweisen vermerkt. 1587 wird dieser Waldzins an den Förster und am 1588 an den "Junker zu Pedelwitz", später an den "Junker von Meusbach" gezahlt[24]. Im Zusammenhang mit einer Beschwerde 1566/1609 des Ambrosii Guffen (Bauer und Einwohner in Pöllwitz Reuß ä.L.) über den Forstmeister Georg von Meußbach[25] ist anzunehmen, daß um diese Zeit die erste Försterei bzw. das erste Forsthaus in Pöllwitz j.L. schon bestanden hat. Im Schleizer Vertrag vom 1. Oktober 1597 gibt es auch den Verweis: "samt der Brettmühle in Grund und Boden". Der Bau und Betrieb einer herrschaftlichen Brettschneidemühle setzte natürlich ein, wenn auch kleines, Gemeinwesen voraus. Die Schneidemühle hatte wohl schnell einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. So gestattete die Herrschaft in Greiz am 3. April 1610, daß die Brandopfer der Stadt Greiz gegen Bezahlung Bretter aus der Schneidemühle zu Pöllwitz holen können[26]. Es ist aber auch nicht auszuschließen, daß anfangs bis zum Bau der Försterei der Junker von Meusbach auf dem Gut/Vorwerk "der adlischen Damen von Meisbach" in Altpöllwitz wohnte[27]. Es ist zu vermuten, obwohl noch nicht aufgeklärt, daß zwischen beiden verwantschaftliche Beziehungen bestanden. Dafür spricht auch der Vermerk im Pöllwitzer Kirchenbuch: "Am 25. Mai 1660 ist der Forstmeister Junker Franz von Meuserbach, ein 92jähriger Mann, gestorben."[28]

Für die Ortsentwicklung aufschlußreich ist eine Befragung von Einwohnern der Gemeinde Pöllwitz Reuß ä.L. am 20. April 1680 vor dem Gräflichen Amt in Greiz[29]. Dort gibt der Richter Hanß Gneupel zu Protokoll, "daß anfangs [gemeint ist die Ansiedlung Pöllwitz j.L.] nur ein Klein Häußlein auf der sog. Gerauh früher gewesen, welches Nicol Funke bewohnte. [Er] könne sich aber erinnern, daß ... innerhalb etlicher 20 Jahren waren noch 7 Häußer, eingeschlossen des jetzigen Försters Hannß Beeren, gebaut worden". Matz Ille, der zwischen 1640 und 1650 von Göttendorf nach Pöllwitz gekommen ist, berichtet ebenfalls am gleichen Tag. Das Protokoll vermerkt dazu: "Zu der Zeit, als er von Göttendorf nach Pöllwitz gestoßen, wären nur zwei Häußlein auf der Geraischen Seite gestanden, die anderen wären hernach gebaut worden". Die Richtigkeit der Aussagen der beiden Altpöllwitzer Einwohner wird durch die Eintragungen in den noch vorhandenen alten Lehnbüchern bestätigt[30]. Wir erfahren nämlich:
  1. Kauf und Lehnbrief für Nicol Funke über ein Kleinhäußlein daselbst, welches vor Cammerguth stehet. Der Hochgeborene Herr, Herr Heinrich der andere Jüngere, bei Lebenszeit ältester Reuß, Herr von Plauen ... hat am 21. September 1648 Nicol Funke zu Pöllwitz, dessen Weib und Erben und Nachkommen ein kleines Häuslein am großen Teich daselbst gelegen, für 14 Gulden erblich verkauft und in Lehn [Lehnbuch Nr. XIII, Fol. 212] reichen lassen, so vordem zur Nachtherberge vor die fremdten Holzhauer aus dem Amte Gera - wo ein Cammerguth alda erbaut worden nebst eines dazu angewiesenen Räumblein ... Das Häuslein trägt später die Hausnummer 6.
  2. Kauf- und Lehnbrief für Stephan Neuparts Schmidts [Schmied] zu Pöllwitz über ein Kleinhäuslein daselbst, welches vor Cammerguth erbauet ist. "Das wir aus gewisses ... Grund in Sonderheit zur Vermehrung unserer Herrschaft Gera Lehn und Zinses Stephan Neuparten eines Schmidt aus Pöllwitz bürdigk, dessen Erben vndt Waldt zu gedachten Pöllwitz gelegen, so vor dessen zum Nachtlager vor die fremden Holzhauer aus dem Amte Gera ..., wo unser Cammerguth aldo erbaut worden, nebst eines dazu angewiesenes Räumblein, damit eine Schmidt erbauen und sein Handwerk treiben kann. Vor 18 Gülden baares Goldlots. Er brauch keine Kriegssteuer zahlen. Soll aber befugt sein, eine Kuh oder Stück Rindvieh ... vndt dieselbe Huthzins mit des Försters Vieh in Waldt gehen zu lassen. So geschehen auf dem Schlos Gera, den 21. September Anno 1648." Das Häuslein trägt später die Hausnummer 4.

    Die Herrschaft Gera ist bemüht, die Ansiedlung zu vergrößern. Zu diesem Zweck werden zwischen dem Forsthaus und dem Wald vier Bauplätze an Bauwillige kostenlos überlassen.
  3. Christoph Öttler wird mit einer Bewstadt [Baustatt] zwischen Forsthaus und dem Waldt zu Pöllwitz nunmehro zu Neupöllbitz genannt, beliehen. Gera, den 1. November Anno 1661 ... auf sonderbaren Gnädigen Befehl, Christoph Öttler, eine Baustadt zwischen Forsthauß und Waldt zu Pöllwitz, nunmehro zu Neu Pöllwitz genannt, wir wohl umbsonst und ohne Enttgeldt eingethan worden. Er solle nur 5 gr. Erbzins ins Amt Gera erlegen und alle Jahre 4 Tage Handfrohn tun, wozu man ihn brauchen will, absonderlich noch bey Fischung der Teiche ...[31] und ohne Vorbewußt des Försters sich nicht an andere Orte begeben soll. Würde er auch ein Kuh in Waldt treiben, und die Trift genießen, soll er jährlich 5 gr. 3 Pfg. Triftgeld entrichten. Das Häuslein wird später die Nummer 3 tragen.
Am 2. November 1616 werden die drei offenen Bauplätze vergeben.
  1. Simon Zenßler (später Haus Nr. 5)
  2. Michael Öttler (später Haus Nr. 7)
  3. Georg Meßner (später Haus Nr. 8)
Weitere wichtige Unterlagen, die Aufschluß über die Ortsentwicklung geben können, sind die Lehn- und Handelsbücher für Neupöllwitz/Pöllwitz Reuß j.L.[32]; Band 1 wurde am 12. Oktober 1683 und Band 2 am 1. Mai 1807 begonnen und endet mit dem 16. November 1858.

Band 1 vermittelt anhand der Kauf- und Lehnbriefe auch teilweise interessante Angaben über die zurückliegenden Belehnungen und stellt somit den nahtlosen Übergang zu den alten Lehnbüchern her. Dadurch wird es möglich, die einzelnen Entwicklungsetappen aufzuhellen und zu rekonstruieren.

Einige kurze Auszüge aus dem Lehn- und Handelsbuch sollen über die ersten schriftlich überlieferten Kaufhandlungen und Lehnreichungen informieren, die unter dem 12. Oktober 1683 - Gera - registriert sind, aber im soeben fertiggestellten neuen Forsthaus zu Pöllwitz vorgenommen wurden.

Die Amtshandlung wurde jeweils von einem Justizbeamten aus dem Amte Gera vollzogen, von beiden Seiten "umbschrieben [unterschrieben], durch Handschlagung bekräftigt und die Lehn empfangen". Die Beispiele:
  1. Lehnschein für Thomas Jahn über ein Häußlein an dem großen Teich zu Pöllwitz ... von Nicol Funke (vor 3 Jahren verstorben) am 21. September 1648 erkauft und in Lehn reichen lassen ...
  2. Kauf- und Lehnbrief für Michael Wemichens Maurer über ein Häußlein zu Pöllwitz j.L. Christoph Örttler, Einwohner daselbst, will sein Häußlein an seinen Eidam Michael Wermich umb 20 Gülden bahre Kaufsumme verkaufen. Er hat es am 1. November 1661 [Lehnbuch Nr. XIV, Fol. 154] in Lehn empfangen. Die alten Bedingungen bleiben unverändert bestehen.
Die alte Försterei/das alte Forsthaus stand auf dem Areal des heutigen Gasthofes "Reußischer Hof". Nachdem 1683 das neue Forsthaus[33] gebaut worden war, wurde die alte Försterei verkauft und diente den pensionierten Oberförstern und ihren Familien als Altersitz. Der alte Förster Beer war der erste Privatbesitzer der alten Försterei. Nach seinem Tod verkauften seine Erben 1692 das Haus an seinen Nachfolger, den Oberförster Johann Georg Martini. 1772 war es im Besitz des Oberförsters Johann Michael Meyer und 1785 von Georg Friedrich Meyer. 1815 kaufte es der aus der Kalkgrube stammende Fleischer Christian Gottlieb Kühn; dessen Sohn Christian Heinrich Kühn erhielt 1818 eine Konzession zur Branntweinbrennerei.

Um die in den Lehn- und Handelsbüchern ermittelten Hausbesitzer auch dem jeweiligen Haus richtig zuordnen zu können, wurden zusätzlich die Katasteraufzeichnungen im Flurbuch Neupöllwitz (vermessen im Jahre 1845 durch Büchner) herangezogen (siehe dazu nachfolgende Tabelle). Dort sind erstmals verbindliche Hausnummern und die Hausbesitzer festgeschrieben worden.

Durch systematisches Ordnen der zurückliegenden Kaufverträge und Lehnscheine lassen sich Käufer und Verkäufer mit großer Bestimmtheit dem entsprechenden Haus bzw. der entsprechenden Hausnummer zuordnen. Zur Vervollkommnung der jeweils nachfolgenden Hausbesitzer wurden die Angaben des Fürstlich Reußischen Landratsamtes Gera ausgewertet[34] (siehe Anhang).

Folgende Entwicklungsetappen der neuen Ansiedlung am Rande des Pöllwitzer Waldes lassen sich festhalten. (Die in Klammern gesetzten Zahlen 1-12 beziehen sich auf die in der Tabelle genannten Hausnummern. Die nachfolgenden Nummern 13-21 sind willkürlich festgelegt, sie dienen lediglich dazu, einen Bezugspunkt für die weiteren Erläuterungen zu haben; die Reihenfolge der realen Hausnummern wechselte seit 1867 mehrmals.)

Die erste Etappe: Sicher noch vor dem Jahre 1597 wurde die alte Brettschneidemühle und wohl auch das erste Gebäude (Nr. 6) am Forstteich gebaut. Etwa um 1600 werden die alte Försterei (Nr. 2) und das Haus Nr. 4 dazugekommen sein.

Die zweite Entwicklungsphase wurde von der Herrschaft Gera bewußt 1661 mit der kostenlosen Vergabe von vier Bauplätzen (Nr. 3, 5, 7 und 8) und dem Ziel der endgültigen Ortsgründung - erstmals auch die Bezeichnung Neupöllwitz - eingeleitet.

Eine weitere Etappe zwischen 1683 und 1713 setzt mit dem Bau des neuen Forsthauses (Nr. 1) ein und wurde mit der Errichtung der vier Häuser (Nr. 9 bis 12) südlich der Ortsstraße Pöllwitz-Dobia fortgesetzt.

Tabelle Flur Pöllwitz Reuß j.L. (vermessen und aufgestellt von Büchner im Jahre 1845, berichtigt und neu aufgestellt im Jahre 1855, beglaubigt am 24. April 1856 in Gera, Stand 1861)
Hausnummer
Besitzer
1
Die Försterei mit 3 Gebäuden
2
Christian Heinrich Kühn
3
Johann Heinrich Spanner
4
Christian Friedrich Limmer
5
Johann Michael Zimmermanns Erben
6
Johann Heinrich Eckardt
7
Johanne Sophie Gebhardt
8
Johann Gottlieb Gebhardt
9
Karl Friedrich Schäffner
10
Karl Friedrich Eckardt
11
Johann August Neupart
12
Johann Georg Gleißner

Die ehemalige herrschaftliche Brettschneidemühle (Foto: Schmutzler) Erst etwa 150 Jahre später kam es nochmals zu einer verstärkten Bautätigkeit zwischen 1861 und 1868/70. 1861 wird das Forstwartshaus im Wald (Nr. 21) - der Wald reichte damals offenbar noch dicht bis an den Triebesbach heran - gebaut. Die Ortserweiterung erfolgte diesmal am äußersten südlichen Zipfel der Ansiedlung am Kommunikationsweg in den Flurteil Collis ("Kulitz"); das betrifft die Häuser Nr. 16 bis 20. Die vorerst letzte Ortserweiterung endete mit dem Bau der Häuser Nr. 13, 14 und 15.

Natürlich sind die einzelnen Häuser im Laufe der Zeit teilweise mehrfach umgebaut, erweitert und auch völlig neu gebaut worden. Trotzdem behielt ein Haus (Nr. 10) - das zuweilen als das älteste Haus am Ort betrachtet wurde - sein altes Gepräge: zweigeteilte hölzerne Eingangstür zum Haus (wie bei Ludwig Richter), eine gestampfte Tenne als Diele, später mit Steinplatten versehen; von da aus erfolgte dann der Zugang zum Stall und zur großen Stube mit dem eisernen Ofen und der Hölle sowie mit den obligatorischen Bänken ringsum an den Wänden.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bautätigkeit fortgesetzt. Heute (Stand Ende September 1998) zählt der ehemalige Ort Pöllwitz Reuß j.L./Neupöllwitz 30 Wohnhäuser und 95 Einwohner.

Das allmähliche Wachsen zur Gemeinde mit Bürgermeister und Geschworenen

Das kleine Gemeinwesen entwickelte sich stetig, aber über einen sehr langen Zeitraum. Die Verwaltungsaufgaben wurden wohl im Forsthaus erledigt, wo auch Gerichtstage abgehalten wurden, wie wir 1725 erfahren: "Im Gräflich Geraischen Forstamt zu Pöllwitz".

Das Forsthaus war brauberechtigt. Der Geraische Förster benutzte anfangs das Braugerät der Pöllwitzer Kirche, zahlte den Trankzehnten und den sogenannten Braupfannenzins, wie aus der Abrechnung ersichtlich ist: "Pelwitz: Balzar der Förster [Balzar Pleymüller] braut am 8. März 1617 und zahlt für 4 Scheffel 1 Gld. 11 Gr."[35]. Der Bierschank erfolgte auch im Forsthaus[36]. 1716 heißt es, daß Andreas Neudeck (Nr. 9), eine Winkelschenke einrichte. In dieser könne "allerhand loses und liederliches Gesindel beherbergt werden", und auch ein Teil der Pöllwitzer Bauern könnte "alda Tag und Nacht gegen die Polizeiordnung verstoßen"[37]. 1721 wird den Bewohnern der älteren Linie kategorisch verboten, Bier an die Geraischen Häusler zu verkaufen oder in die Geraische Schenke zu fahren oder fahren zu lassen[38]. 1734 wird dort der Bau eines Brauhauses begonnen und 1735 eingeweiht.

1737/38 wird Christian Heinrich Kühn als Fleischer und Schenkwirt genannt. 1867 aktiviert Franz Gottlieb Daßler das Geschäft; er läßt den Tanzsaal vergrößern, und in den zwanziger Jahren erhält der Saal noch eine Bühne und den erforderlichen Notausgang. Ein noch breiteres Angebot gewährt die Konzession für den Fleischer und Gastwirt Paul Daßler (1923): "Bier- und Branntweinschank, Verkauf von Wein, Zigarren, Kaffee und sämtlichen alkoholfreien Getränken sowie den Verkauf von Fleisch und Wurstwaren. Eingeschlossen ist die Beherbergung von Fremden sowie die Veranstaltung von Theater, Schaubelustigungen aller Art und Tänze". Das Geschäft scheint zu florieren. Jede Woche werden zwei Schweine geschlachtet. Fleisch und Wurst wird jetzt im neuerrichteten Laden verkauft.

Pöllwitz will Sommerfrischler anziehen: Gemeinsam mit dem Mühlenbesitzer Emil Gleißner wird 1929 der Badeteich gepachtet. Am Badestrand wird ein Verkaufsstand errichtet, und später kommt noch ein Gondelbetrieb hinzu.

Eine Gemeinde auf der Suche nach wirtschaftlicher Verbesserung - Tourismus würde man heute sagen. Baden, Spazierengehen, Erholung an frischer Luft waren im Angebot. Luftkurort wollte Pöllwitz werden inmitten der waldreichen Gegend, ein gewisser Wohlstand war das Ziel. Der Zweite Weltkrieg machte alles zunichte. Zu wünschen wäre, daß eines tages wieder Sommerfrischler zuhauf kommen.

Gemeindevorstand und Gemeinderat

Während im allgemeinen die Polizei- und Verwaltungsaufgaben vom Gräflichen Forstamt wahrgenommen wurden, bildete sich erst sehr spät eine funktionierende Gemeindeverwaltung heraus (vgl. U. Hagner[39]).

Am 28. März 1853 wird zum ersten Mal von der Wahl, Einführung und Verpflichtung des Gemeindevorstandes und Gemeinderates in Pöllwitz Reuß j.L. berichtet[40]. Das Gremium setzt sich zusammen aus:

  • Johann Eckard, Bürgermeister
  • Heinrich Zimmermann, Stellvertreter
  • Christian Friedrich Limmer, Amtsschulze
Als Kurzinformation wird festgehalten: "In der Gemeinde sind nur 12 Wohnhäuser, keine Lokalitäten vorhanden. Auch kann der Bürgermeister in seiner Behausung nichts aufbewahren. Es sind nichts als Tagelöhner und Kleinhäusler". Der Begriff Gemeinde wird in diesem Zusammenhang erstmals verwendet.

Mit der Gemeinde eng verbunden war immer auch der Feuerschutz. Bei Brückner heißt es 1867/70: "Die Pflege hat Anteil an der Feuerspritze in Altpöllwitz, entsprechend zahlt sie einen Beitrag". Später hat der Ort eine eigene freiwillige Feuerwehr.

Der Zusammenschluß der beiden Pöllwitzer Gemeinden

Am 2. Januar 1918 stellt Gotthardt Geilert, der Gemeindevorstand von Pöllwitz Reuß ä.L., Antrag auf Eingemeindung von Pöllwitz Reuß j.L.; als Gründe werden unter anderem angeführt: Verbilligung der Verwaltungskosten, nur noch ein Gemeindevorstand und eine Feuerwehr. Am 7. Juli erklärt sich Pöllwitz Reuß j.L. zur Eingemeindung bereit. Sie will jedoch zwei Mitglieder im Gemeinderat haben und zwei Jahre keine Abgaben entrichten.

Der Zusammenschluß wurde endgültig am 19. August 1919 vollzogen, nachdem am 17. April 1919 das Gesetz über die Vereinigung der beiden Freistaaten Reuß zum Volksstaat Reuß in Kraft getreten war.

Das vereinigte Pöllwitz nennt sich nun Pöllwitz (Reuß) (siehe dazu auch die nachfolgende Statistik[41]):


Pöllwitz R. ä.L.
Pöllwitz R. j.L.
Pöllwitz (Reuß)
Fläche in ha
581,12
113,36
694,48
davon in Äcker und Gärten
195
7
202
Wiese
55
71
126
Wald
182
-
182
Wohnhäuser
117
21
138
Einwohner am 1.12.1910
671
99
770
Einwohner am 1.6.1919
752
97
849
Haushaltungen
151
29
180




Anmerkungen

  1. Hänsel, R.: Der Pöllwitzer Wald in: Oberland (Blätter für Volks- und Heimatkunde) Nr. 17/1925
  2. Schiffner, A.: Beschreibung von Sachsen und der Ernestinischen, Reußischen und Schwarzburgischen Lande, Stuttgart 1840
  3. Vielleicht ist die Pechhütte am Forstteich gemeint. Einen Kalkbrennofen hat es hier nie gegeben.
  4. Brückner, G.: Volks- und Landeskunde des Fürstentums Reuß j.L., S. 648 ff., Gera 1870
  5. Kirchengalerie der Fürstlich-Reußischen Länder Band II, S. 51, Dresden 1843: "Das ganze Kirchspiel besteht aus 95 Häusern, wovon aber 12 Häuser der Herrschaft Gera gehören, worunter sich das Forsthaus mit einer Schneidemühle befindet, auf welcher jährlich viele hundert Klötze für die Fürstliche Kammer zu Gera geschnitten werden. Die Jagd gehört aber dem Fürstentum Greiz, und der die Jagd beaufsichtigende Förster wohnt in Wellsdorf".
  6. Das im herrschaftlichen Walde 1861 erbaute Wohnhaus ist rechts der Straße nach Dobia und links vom Steinbruch gelegen.
  7. Siehe Anm. [4], S. 218 f. Anmerkungen zur Entwicklung in der Landwirtschaft: "... man macht mehr und mehr Fortschritte in der Einrichtung von Jauchegruben; in anderen Ortschaften hat die Dreschmaschine Eingang gefunden; auch hat bereits eine ansehnliche Anzahl von Gemeinden Stallfütterung eingeführt, die übrigen halten noch an der Waldhut fest; ärmere Familien suchen ihr Winterfutter samt der Streu in den Waldungen. Drei- und Vier-Feldwirtschaft"".
  8. Siehe Anm. [4], S. 648: "Früher gehörte der Ort sowie Neupöllwitz zur Herrschaft Gera, seit dem 17. Juni 1854 zum Landesteil Schleiz. Lehn- und Gerichtsbarkeit waren landesherrlich, letzte früher dem Amte Gera - Unterm Haus, später dem zu Hohenleuben unterstellt." Vgl. auch Dr. W. Querfeld: 260 Jahre Neuärgerniß in Jahrbuch Nr. 32 1987, S. 37-40.
  9. Vgl. J. Richter "Unser Vogtland" in: Wo gibts was? Nr. 8/1998: "Sicherer Vorfahr aller Vogtslinien ist Heinrich II. der Reiche von Weida, der urkundlich von 1180- vor 1209 nachgewiesen ist. Wohl von Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der ihn mit Aufgaben im Reichswald betraut hatte, wurde ihm und seinen Nachkommen der Vogtstitel verliehen. Erstmalig in einer Urkunde von 1209 bezeichnen sich seine drei Söhne als Vögte."
  10. Jacob, H.: Die Bedeutung des Forstregals für den Landesausbau im Hochmittelalter - Studien zur Geschichte der Kolonisation im mitteldeutschen Osten, Diss. FU Berlin 1957
  11. "Mildenfurter Schenkungsurkunde vom Jahre 1209", abgedruckt und ins moderne Deutsch übertragen von Dr. W. Querfeld in: Heimatbote 6 und 7/1959, S. 157-159.
  12. Querfeld, W.: "Greiz im Jahre 1259", Reproduktion der Urkunde und des ins moderne Deutsch übertragenen Textes in: Heimatbote 5/1987, S. 90-92
  13. Regalienbrief vom 24. Juni 1329 in Gestalt einer sog. Goldenen Bulle, Originalausfertigung wird im Thür. Staatsarchiv Greiz verwahrt. Anmerkung: "Mittelalterliche Urkunden schrieben oftmals nur fest, was ohnehin längst historische Tatsache geworden war."
  14. Abgedruckt und ins moderne Deutsch übertragen mit Quellenangaben von Dr. W. Querfeld in: Heimatbote 3/1984, S. 28-32
  15. Thür. Staatsarchiv Greiz, Hausarchiv Obergreiz und Untergreiz, a. Rep. Kammer, Schrank IV, Fach 3d, Nr. 2: "Aussage etlicher alter Männer zu Zeulenroda, die Pflege Reichenfels betreffend; 1562." Die Belehnungsurkunde vom 14. März 1562 verzeichnet nur noch zwei Wüstungen: Kalkgrube und Ritzmannsgrün. Zu Wolfshain heißt es zur gleichen Zeit: "Wolffsheim ist nunmehr ein Dorff" (und der Teich dort gehört noch zu Greiz). Im Jahre 1616 wird die Kalkgrube unter "einzelne Häuser" geführt.
  16. Thür. Staatsarchiv Greiz, Gemeinschaftliches Hausarchiv der älteren Linie Reuß. Schrank III, Fach 25 und Hausarchiv Obergreiz und Untergreiz, a. Rep. Kammer, Schrank IV, Fach III, Nr. 2
  17. Thür. Staatsarchiv Greiz, Gemeinschaftliches Hausarchiv der älteren Linie Reuß. Schrank II, Fach 71, Nr. 2
  18. Thür. Staatsarchiv Greiz, Hausarchiv Obergreiz und Untergreiz, a. Rep. Kammer, Schrank IV, Fach 3d, Nr. 6: "... darinnen der jüngere Herr gewilliget, seinen mittleren Herrn Bruder den Wald bei Pödelwitz, das Gehörn genannt, aufs gewisse Maß Ausgleich überkommen zu lassen..."
  19. Gera bewilligt den Greizer Vettern weiter, daß sie vom Gehörne jährlich fünf gute Schindelbäume, desgleichen dem Pfarrer zu Zeulenroda, dem zu Podelwiz (Pöllwitz) und dem zu Dobia jedweden drei Ellen Scheitholz ohne Waldzins erhalten sollen; den an den Wald angrenzenden Unterthanen soll ebenfalls "nothdürftige Beholtzung um billigen Waldzins zukommen".
  20. Thür. Staatsarchiv Greiz, Forstamt Pöllwitz Nr. 23
  21. Thür. Staatsarchiv Greiz, Forstamt Pöllwitz Nr. 172
  22. Dietzel, R.: Übersicht über die Bestände des Landesarchivs Greiz, S. 89/90, Weimar 1963
  23. Sieber, Ph.: Die Forsten des regierenden Fürstenhauses Reuß j.L. in der Zeit vom 17.-19. Jahrhundert - ein Beitrag zur Geschichte des Pöllwitzer Waldes, Berlin 1902. Die Fläche des Pöllwitzer Waldes betrug im Jahre 1642 5829 Acker einschließlich 53 Acker Geräume angegeben: "Dieser Waldt ist ernstlich wohl bestämmet, von schönen Tannen, Fichten, auch etzlichen Orthen Buchen und Eichen ...". Von der unteren und oberen Haardt (zusammen 181 Acker) wird gesagt: "Diese beiden Hölzer sind vor wenig Jahren zu Flößholze weggeschlagen worden, bis uff etwas von Kiefern, das andere ist mit jungem Holze gar dicke bewachsen."
  24. Thür. Staatsarchiv Greiz, Gemeinschaftliches Hausarchiv der älteren Linie Reuß, Schrank II, Fach 91, Nr. 29a-t
  25. Thür. Staatsarchiv Greiz, Gemeinschaftliches Hausarchiv der älteren Linie Reuß, Schrank III, Fach 19
  26. Thür. Staatsarchiv Greiz a. Rep. A, XXIV, 6, Nr. 1a
  27. Schmutzler, G.: "Hatte Pöllwitz ein Rittergut?" In: Jahrbuch Nr. 43/1998, S. 113-121
  28. Pfarrarchiv Pöllwitz, Kirchenbuch von 1619-1674, Archiv Nr. 391
  29. Thür. Staatsarchiv Greiz, Hausarchiv Obergreiz und Untergreiz, a. Rep. Kammer, Schrank IV, Fach 5d, Nr. 35, S. 60 ff.
  30. Thür. Staatsarchiv Greiz, Reußisches Amtsgericht Gera Nr. 2225 - Lehnbücher, angefangen am 25. Juni 1640-1654
  31. Thür. Staatsarchiv Greiz, Gemeinschaftliche Regierung Gera, a. Rep. Gera, AAA III, Nr. 3, Anmerkung zu "Teiche-Fischung" und der für die Fronarbeit zu erwartende Arbeitsumfang. Anläßlich des Inspektionsrittes von Posthumus wegen der "Verlagung und Bereinung uff den Pöllwitzer Walde vom 21.-24. Juni 1613" wird im Protokoll folgendes festgehalten: "Was die Teichstatt unter Wolfshain anlanget, dahin ein neuer Teich soll gebauet werden, soll aber überlegt werden, daß in dürre Zeit wenig Wasser vorhanden. Zu der Ritzmannsgrüner Baustatt hat ich (Posthumus) bessere Lust und eine schöne Schneidemühle darunter zu bauen. Da könnte man von dieser Seite das Holz besser nutzen. Im Lichtenbach auch gar eine herrlich schöne Teichstatt. Den Dorfteich zu Pelwiz anlangend, befindet sich soviel, daß Brosius Müller (gemeint ist Brosius Franz, der Müller) zu großen Abgang. E. Gn.-fischerei denselben gebraucht. Und E. Gn. wohl weniger Fische fangen möge, weshalb er den Teich hochstaut und schützt, daß das Wasser fast über den Thamm (Damm) schlägt. Wenn nur geringe Fluten kommen, und der obere Teich (der Forstteich) wird vollgelaufen sein, wird oftmals der Rechen geschlagen. So fehlt es nimmer mehr, die Fische gehen mit durch. Ich (Posthumus) habe es mit dem Schösser zu Greitz besprochen." Thür. Staatsarchiv Greiz, Gemeinschaftliche Regierung Gera, a. Rep. Gera, FbßI, Nr. 7, S. 256: Im Anschlag "Teilung der Reußischen Herrschaften Gera, Schleiz, Lobenstein und Saalburg am 9. April 1647" werden unter 4. Die Teiche für die Herrschaft Gera im Bereich des Pöllwitzer Waldes ausgewiesen: "1. Der große Teich über dem Dorf Pöllwitz, der Holzteich genannt, wird besetzt mit 30 aßo. 2. Pöllwitzer Dorf Teich mit 15 aßo. 3. Der neue Teich gegen vorm Wolfshainer Grund, so zum Holz Teich gebrauchet, mit 10 aßo (es handelt sich ganz sicher um den Mortelteich) 4. Der Wolfshainer Teich wird zum Laag Teich gebraucht, mit 5 aßo (auch Wolfshainer Herrenteich genannt)."
  32. Thür. Staatsarchiv Greiz, Amt Gera Nr. 4185a
  33. Thür. Staatsarchiv Greiz, Amt Greiz Nr. 3106, Nicol Gneupel (Bauer in Pöllwitz Reuß ä.L.) bringt am 1. September 1683 im Gräflichen Amt in Greiz eine Klage an, "daß von Gerau aus (die) neue Försterey zu Pöllwitz erbaut und dieselbe auf seinem Grund und Boden zu nah gesetzt worden, welches ungefähr über 12 Schritt austrüge..."
  34. Thür. Staatsarchiv Greiz, Reußisches Landratsamt Gera Nr. 1884a, "Gebäudeversicherungskataster für Pöllwitz Reuß j.L. (1905-1923)" sowie "die Baupolizeiakten des Landratsamtes Gera" im Gemeindearchiv Pöllwitz der Verwaltungsgemeinschaft Vogtländisches Oberland
  35. Thür. Staatsarchiv Greiz, Hausarchiv der älteren Linie Reuß. Schrank VI, Fach 10, Nr. 3 und 5
  36. Thür. Staatsarchiv Greiz, Amt Greiz Nr. 4422
  37. Thür. Staatsarchiv Greiz, Gemeinschaftliches Hausarchiv Untergreiz und Obergreiz, a. Rep. Kammer Schrank IV, Fach 5d, Nr. 23
  38. Thür. Staatsarchiv Greiz, Amt Greiz Nr. 4195
  39. Hagner, U.: Die Stellung und die Aufgaben der Dorfgerichtspersonen in den Fürstentümern Reuß im 19. Jahrhundert und beginnenden 20. Jahrhundert in: Jahrbuch des Museums Reichenfels/Hohenleuben Nr. 35, S. 32-58, Hagner, U.: "Zur Geschichte des Amtsgerichtes Gera und seiner Vorgänger bis zum Jahre 1952: Zugleich ein Beitrag zu 1000 Jahre Rechtspflege in Gera", in: Jahrbuch des Museums Reichenfels/Hohenleuben Nr. 43/1998, S. 88-95
  40. Thür. Staatsarchiv Greiz, Landratsamt Gera Nr. 1874 und Reußisches Amtsgericht Hohenleuben Nr. 208, Anmerkung: Landrat Strauch richtet am 3. Mai 1853 an das Justizamt Hohenleuben die Aufforderung, "diejenigen Akten in ihrem Archiv, welche hoher Anordnung zufolge dem Gemeindevorstand auszuantworten sein werden, mir gefälligst zuzusenden oder solche ... bei dem Fürstlichen Amtsschulzen Limmer (Pöllwitz Reuß j.L.) daselbst nebst einem Verzeichnis derselben in zwei Exemplaren niederlegen lassen zu wollen". Durch Regierungsrescript vom 24./28. März war dem Landrat aufgetragen worden, die Verpflichtung und Einführung des neuen Gemeindevorstandes in Pöllwitz am 10. Juni vorzunehmen.
  41. Thür. Staatsarchiv Greiz, Landratsamt Nr. 1291
Weitere Quellen
  • Schmutzler, G.: "Zur Geschichte des Pöllwitzer Waldes", Greiz 1995, 110 Blatt und mehrere Kartenausschnitte (maschinenschriftlich)
  • Schmutzler, G.: "Die Geschichte des Bauerndorfes Pöllwitz im thüringischen Vogtland", Greiz 1995, 124 Blatt, Anlagen und Kartenausschnitte (maschinenschriftlich)
Anhang

Die Häuser im einzelnen und ihre jeweiligen Besitzer:

Flur Pöllwitz Reuß j.L./Neupöllwitz (Skizze anhand des Katasterblattes: Schmutzler)

  1. Die Försterei. Das neue Forsthaus wurde 1683 und die Brettschneidemühle sicher vor 1597 gebaut. 1864 wurde die alte Schneidemühle abgerissen und so an deren Stelle eine neue errichtet.
  2. Die alte Försterei/das alte Forsthaus (später Gasthof "Reußischer Hof"). Das Baujahr konnte nicht sicher ermittelt werden. Der erste private Besitzer ist der Förster Johann Beer (1665/66 genannt; Witwe Christine Beer 1683), Oberförster Johann Martini (27.9.1692), Oberförster Johann Georg Martini (30.8.1708), Oberförster Johann Michael Meyer (2.7.1772), Oberförster Georg Friedrich Meyer (10.1.1785), Fleischer Christian Gottlieb Kühn (18.5.1815), Fleischer und Schenkwirt Christian Heinrich Kühn (29.10.1818), Fleischer und Gastwirt Christian Gottlieb Daßler (kauft am 16.6.1862; seine Frau ist Christine Mathilde geb. Kühn), Fleischermeister Franz Hermann Daßler (22.5.1892), Gastwirt und Fleischer Paul Daßler (15.11.1918), Vereinsbrauerei Greiz (von Ende 1930 bis Mitte 1932), Alban und Ida Schaller (21.7.1932), Rudi Schaller (29.9.1953), VEB Maschinen- und Dampfkesselbau Gera, Treuhandanstalt (1953-1989/90), Gemeinde Pöllwitz (1995)
  3. Neubau 1661, Christoph Örttler (am 1.11.1661 in Lehn empfangen; 1649 als Förster genannt), Michael Wermich (12.10.1683), Hufschmied Hans Albert Schwender (2.12.1689; das Haus wird Schmiede), Johann Christoph Schwender (11.5.1807), Johann Erdmann / Heinrich Schwender (29.2.1836), Gottfried Hadlich sen. (Richter aus Pöllwitz Reuß ä.L.) erwirbt bei der öffentlichen Versteigerung die Schmiede für seinen Brude August Hadlich (13.5.1842), Johann Heinrich Spanner (1845/56), Karl Friedrich Spanner (16.11.1858), Georg Matthes (1.10.1871), Heinrich Matthes (1.6.1877, 1892), Alwin Matthes (1922), Hermann Matthes (1923), Elfriede Seyfert geb. Matthes
  4. Vom Kammergut mit dem alten Forsthaus zusammen errichtet (Baujahr noch unbekannt). Der erste private Besitzer ist Stephan Neupart, Schmied aus Altpöllwitz (25.6.1648), Neuparts Erben, Simon Limmer (9.11.1744), Johann Christian Limmer (3.9.1797), Christian Friedrich Limmer (1845, 25.7.1866), Friedrich August Limmer und Schwester Hanne Christiane (20.4.1867), Gottlob Weinert (1892/94), Hermann Limmer (1903), Willi Reißmann (1923/49), Olaf Distelmeyer (seit 1988)
  5. Neu 1616, Simon Zenßler (2.11.1661), Zenßlers Erben (10.5.1699), Johann Daßler (27.4.1707), Erben des Hans Daßler, Johann Martin Daßler (24.3.1747), Johann Christoph Zimmermann (19.8.1785), Johann Michael Zimmermann (5.3.1815), Zimmermanns Erben, Gottlob Zimmermann (1845/56), Johann Gottfried Hofmann (16.5.1873, 1911), Alfred Schuster (29.12.1927), Harald Schuster, Heiko Voß (seit 1993)
  6. Das älteste Haus des Ortes, Baujahr noch unbekannt, wahrscheinlich zusammen mit der alten Försterei gebaut. Der erste private Besitzer ist Nicol Funke (21.9.1648, gestorben 1680), Thomas Jahn (12.10.1683), Michael Jahn (24.6.1718), Hans Georg Jahn (17.3.1749), Johann Erdmann bzw. Ferdinand Jahn (23.1.1798), Christian Gottlieb Kühn (28.3.1801), Johann Friedrich Anton (19.3.1806), August Hadlich ersteigert (13.5.1842), Johann Heinrich Eckardt (1845/21.12.1846), Witwe Eckardt (28.8.1869), Karl Friedrich Eckardt (1884), Hermann Eckardt (1901), Helene Eckardt (20.6.1927), Hans Jürgen Mattuschek
  7. Neubau 1661, Michael Öttler (2.11.1661), Martin Gebhardt (9.1.1692), Michael Gebhardt (6.12.1718), Johann Michael Gebhardt (11.10.1791), Johann Michael Gebhardt jr. (12.6.1828), Johann Christian Gebhardt (8.7.1844), Witwe Johanna Sophie Gebhardt (1845/55), Johann Georg Seifert (5.7.1849, 1856), Karl Gebhardt aus Leiningen, Franz Geilert (um 1856/66), Franz Ludwig Geilert (1868), Arthur Brechtelbauer (1953), Kurt Bätz (6.11.1964)
  8. Neubau 1661, Georg Meßner (2.11.1661), Matthes Meßner (2.6.1697, Beerdigung am 28.2.1715), Jacob Lindner (5.5.1716), Georg Neudeck (15.2.1732), Johann Georg Neudeck (27.7.1768), Johann Gottlieb Gebhardt sen. (9.11.1785), Johann Gottlieb Gebhardt jr. (21.5.1839), Christian Erdmuth Gebhardt, 15 Jahre alt (21.7.1839), Schuhmacher Friedrich August Schwender (18.2.1868 als Besitzer genannt), Heinrich Schmutzler (Haus neu gebaut 1886), Franz Böhm (1911-1939), Ernst Böhm (1939-1982), Friedemann Böhm (seit 1982)
  9. Neubau 1705, Andreas Neudeck (am 3.12.1716 will er eine Schenke anlegen, was ihm auch bewilligt wird), Johann Martin Neudeck, Christine Neudeck (Haus des Johann Martin Neudeck 28.2.1744), Johann Georg Feistel (6.8.1787; Christine ist seine Frau), Johann Gottlieb Steidel (29.12.1800), Johann Georg Steidel, auch Steudel (22.12.1818), Carl Friedrich Schäffner (12.12.1820, 1845/56), Ott (1886), Franz Rost (17.10.1903), Paul Müller, Albert Müller, Fritz Thumser (bis 1967), Rainer Thumser (seit 1968)
  10. Neubau 1706, Hans Zenner (1706), Johann Georg Kemnitz aus Pausa (29.4.1748), Johann Christoph Kemnitz (26.2.1784, 1818), Christian Heinrich Eckardt aus Weißendorf (21.9.1818), Johann Heinrich Eckardt (1845), Karl Friedrich Eckardt (am 30.6.1846 gekauft; Mutter geb. Chemnitz), Johann August Neuparth erwirbt am 30.4.1869 durch Meistgebot, Johann Christian Neuparth (Weber und Waldläufer; 17.7.1876, 1886), Christian Gmeinhard und Karoline geb. Neuparth (1903), Hermann Zipfel (4.8.1934), Fritz Mißler, Siegrid Kärner geb. Mißler
  11. Neubau 1707, Christoph Hedrich (1707, 1715 gestorben), Tochter Christine und Ehemann Barthol Gneupel (3.7.1717), Gregor Kneupel (1752 als Gastwirt erwähnt), Hans Paulus Kripfganz, Hans Johannes Kühnelt (19.4.1774; Ehefrau Marie Christine verw. Kripfganz), Johann Adam Kripfganz (kauft vom Stiefvater am 22.1.1793), Johann August Neuparth kauft vom Schwiegervater Johann Adam Kripfganz am 5.7.1834, 1860), August Neuparth, Hermann Neuparth (1906), Johannes Kemnitz (1981), Elke Grau geb. Kemnitz
  12. Neubau 1713, Johann Bornstädt, ein schwedischer Leutnant (1713), Christoph Freund aus Dobia (31.8.1748), Christoph Freund der Sohn (7.3.1769), Johann Michael Kothner/Ehefrau Justine geb. Freund (8.11.1790), Johann Georg Gleißner aus Trogen in Bayern (20.4.1870, 1886), Hermann Schink (1896, 1923), Arno Schink, Rainer Schink
  13. Neubau vor 1905, (...), Richard Lätzsch (1931), Paul Lätzsch (1949), Werner und Wolfgang Fröbisch
  14. Neubau vor 1905, (...), August Weinert (1905), Alfred Schuster (1923, 1963), Herbert Seiler, Manfred Seiler
  15. Neubau vor 1905, (...), Christiane Reißmann geb. Gebhardt (1905), Albin Dietz, Schwiegersohn von Ch. Reißmann (23.5.1936), Elisabeth Steuer (1949)
  16. Neubau 1865, Karl August Seifert (9.9.1865), Böttcher (vor 1905), Anna Böttcher geb. Ott (zwischen 1905 und 1923), Alfred Ott (1949), Harry Ott, Sigrun Ott
  17. Neubau um 1865 von Johann Heinrich Limmer, Christiane Reißmann geb. Gebhardt und Hermann Limmer (1904), Otto Limmer (1919, 26.3.1929), Arno Limmer (1949), Klara Limmer (1957), Elisabeth Limmer (1971), Dieter Limmer
  18. Neubau 1868, Franz Frotscher (27.11.1868), Gotthold Friedrich (vor 1905), Hermann Ferdinand Perthel (8.6.1923), (...), Fritz Fischer (1949/52), Günther Fischer (1976)
  19. Neubau 1868, Ferdinand Drechsler (27.11.1868), (...), Hulda Knäfel (1929), Franz Knäfel (1949), Alfred Kothner (1949)
  20. Gemeindehaus, gehörte zum Forsthaus und war ursprünglich auch von einem Forstwart bewohnt. Der Bau erfolgte im Jahr 1859
  21. Forstwarthaus am Wald, Neubau 1861.

Die Veröffentlichung dieses Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Museums Reichenfels-Hohenleuben 2001.
Der Text wurde für das Internet aufbereitet von Michael Hadlich, Nürnberg, im Juni 2001.
www.poellwitz.de